Verfasst von: Medienblogger | 14. August 2008

Schluss mit SMS-Gezwitscher!

Die Nachricht kam heute morgen per E-Mail ins Postfach geflattert, und im Twitter-Blog ist sie auch nachzulesen: Die Macher von Twitter haben ihren SMS-Dienst, mit dem man Twitter-Updates auf seinem Handy per SMS empfangen konnte, abgeschaltet.

Genaugenommen kann über die britische Carrier-Nummer, über die bisher die Status-Meldungen verschickt wurden (so man dies denn für ausgewählte Follower bzw. Direktnachrichten eingestellt hatte…), nur noch der eigene Status geupdatet werden. Die Sogenannten „outbound SMS“ werden hingegen nicht mehr zugestellt. Dies war jedoch der Hauptnutzen des SMS-Features von Twitter

Der Grund für die nun erfolgte Änderung sind natürlich die Kosten. Biz Stone, Mitbegründer von Twitter, schreibt dazu in seiner Nachricht an die User:

„When we launched our free SMS service to the world, we set the clock ticking. As the service grew in popularity, so too would the price. Our challenge during this window of time was to establish relationships with mobile operators around the world such that our SMS services could become sustainable from a cost perspective. We achieved this goal in Canada, India, and the United States.“

Anders ausgedrückt: Von diesen drei Ländern einmal abgesehen, hat Twitter es bis dato noch nicht geschafft, einen akzeptablen Preis mit anderen Mobilfunkanbietern auszuhandeln, um den Service anbieten zu können. Gleichzeitig kündigt Twitter an, in den nächsten Wochen und Monaten den Service lokalisieren zu wollen und für verschiedene Länder eine regionale Handynummer zu schalten:

In the meantime, more local numbers for updating via SMS are on the way.

Wie dem auch sei: Twitter beraubt sich von einem Tag auf den anderen mit der Abschaltung des SMS-Services einer großen Anzahl seiner Nutzungsmöglichkeiten. Gleichzeitig bricht damit ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Copycats wie Plurk oder identi.ca weg. Natürlich wissen die Twitter-Macher dies, und so kann man denn auch schlussfolgern, dass die aus Kostengründen notwendige Maßnahme nicht mehr abzuwenden war. Robert meint zwar, dass dies der zunehmenden Popularität von Twitter nicht schaden wird. Trotzdem sind damit massenfähige journalistische Angebote über Twitter erstmal tot, denn die Tweets können ja nicht mehr zu den Usern gepusht werden. Auch SMS-Live-Ticker, wie sie Fußball-Fans anbieten, sind damit ihres Alleinstellungsmerkmals beraubt. Etliche weitere Anwendungen könnten aufgezählt werden.

Die Ankündigung zeigt jedoch, dass Twitter es nach wie vor nicht geschafft hat, ein valables Business-Modell zu konstruieren. Dieses in der Anfangsphase noch nachrangige Problem wird für Twitter nun immer dringender, wie man ohne Probleme zwischen den Zeilen lesen kann:

…we’ve arrived at a point where the responsible thing to do is slow our costs and take a different approach

Welche Möglichkeiten für ein gesundes Business-Model stehen Twitter offen? Ich denke nicht, dass Twitter eine Art Premium-Account einführen wird. Aber gerade über die SMS-Option könnte man doch eine Refinanzierung wagen. Angesichts der großen Skaleneffekte, die Twitter beim Einkauf von SMS erzielen könnte, sollte es meiner Meinung nach möglich sein, dem User SMS-Preise unter Marktniveau anbieten zu können und trotzdem daran zu verdienen. Und was die Seite der Telekommunikationsfirmen betrifft: Wenn ich mir Twitter schon nicht komplett unter den Nagel reißen kann, würde ich zumindest schauen, als Partner dabei zu sein — Kundennähe, Technologieführer, die Argumente für Vodafone, Telekom, O2 & Co MÜSSEN doch langfristig verlockend sein, oder? Und dass mir jetzt niemand mit dem Preisargument kommt: Ich denke, dass es sich für Handy-Provider lohnt, Twitter günstige Konditionen anzubieten und damit die sogenannten early adopters zu vielen, billigen SMS zu verleiten anstatt solche Vielnutzer auszusperren und ausschließlich Daten-Flatrates zu pushen.

Wie dem auch sei, die nächste Zeit wird spannend. Die Twitter-Gemeinde hält dem Service noch die Stange. Doch der Erfolg kommt mit der Masse, und die ist (noch) volatil. Und seien wir mal ehrlich: Per SMS auf dem Laufenden zu bleiben, was meine Follower so tun, war schon extrem cool. Damit ist jetzt erstmal Schluss. Schade.

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