Verfasst von: Medienblogger | 25. Oktober 2008

Userverhalten in Social Networks

Vor kurzem habe ich eines dieser Mehr-oder-weniger-Gespräche mit einer Studienkollegin per E-Mail geführt, wir schrieben über ein mögliches Auslandsstudium und die dafür nötigen Vorbereitungen. Am Ende der dritten E-Mail fand ich mich dann vor folgende Frage gestellt:

P.S. wie findet man dich denn unter StudiVZ?

Es war also ein Medienwechsel angesagt, aus dem zeitversetzten E-Mail-Plausch sollte ein Gespräch werden. Natürlich ein Gespräch nicht wie früher am Telefon, sondern ein neuartiges, eines dieser Gespräche, bei dem man direkt ein Bild von seinem Gesprächspartner bekommt (durchaus im wörtlichen Sinne). Und meine Kommilitonin schlug also ein Wechsel auf das ihr dafür am besten geeignet erscheinende Medium vor — ein soziales Netzwerk. Dazu mehrere Bemerkungen:

1. Es ist bezeichnend, dass die Frage nicht lautete, ob ich denn überhaupt auf StudiVZ zu finden sei. Dies wurde von vorneherein angenommen.

2. Während dies also aus Sicht der „studi guys“ ein Grund zur Freude sein sollte — Reichweite und viele Mitglieder Meinungsführer-Effekte sind ein Trumpf im Kampf um die meisten User — sollte die eigentlich darin enthaltene Frage eher ein Grund zum Nachdenken sein. Denn natürlich gibt es Gründe für diese „Ich-verschleiere-meinen-Klarnamen“-Entwicklung.

3. Dies gibt auch einige Hinweise auf den Lebenszyklus, in dem sich das Produkt „StudiVZ“ inzwischen befindet. Wer nicht unter seinem wirklichen Namen agiert, hat kein Interesse, von weiteren Freunden gefunden zu werden (es sei denn, wie in dem hier vorliegenden Fall, über die explizite Mitteilung des Spitznamens). Webzweinullig ist dieses Userverhalten jedenfalls nicht mehr. Eher Hand-zu-Fuß. Es scheint also so zu sein, dass für die Mehrzahl der User auf StudiVZ das Netzwerk bereits besteht und sämtliche Freunde bereits versammelt sind. Anders ausgedrückt: Nach wenigen Jahren Existenz finden die User hier keine neuen Freunde mehr, die sie bereits aus dem echten Leben kennen, sondern treten nur noch in Kontakt mit bestehenden Freunden. Im Sprech des Marketings: Gemäß des bekannten Lebenszyklus-Modells befindet sich das Produkt in der Reifephase. Konkret äußert sich dies darin, dass Spätanmelder große Schwierigkeiten haben werden, ihre Freunde zwischen all den Pseudonymen und Falschnamen zu finden.

4. Man kann jetzt sicherlich wieder ältere Diskussionen wie die Frage zur Privatsphäre führen. Diese Diskussionen sind zwar äußerst wichtig, aber insbesondere um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dieser Schluss heißt: Der Kunde ist König. Und zwar nicht nur aus Servicedenken, sondern auch andersherum: Der Kunde wird sich selbst immer zum König küren. Die Mehrheit der Benutzer findet immer (!) kreative Wege um virtuell das abzubilden, was sie real empfindet (so wie auch die Gruppen, die bei StudiVZ weniger zum Diskutieren als mehr zum Schmücken des eigenen Profils — Stichwort persönliche Identität — dienen).

5. Der soziale Kitt ist äußerst stark, selbst wenn man offenkundig mit irgendetwas nicht zufrieden ist (siehe 4.). Ich meine damit, dass man auch ein massenhaftes Abwandern zu anderen social networks hätte erleben können. Es ist jedoch eher so, dass für den Ottonormaluser der Trend zum Zweitnetzwerk zunimmt. Abmelden ist nicht, zu stark wiegt das Element, dass die eigenen Freunde auch schon da sind.

6. Das wiederum zeigt Chancen für die Zukunft auf. Die heißt dataportability und besteht darin, dass man seine Freunde, Kollegen, usw. online immer zur Seite hat. Egal bei welchem Netzwerk man sich aufhält [Disclaimer: Mir liegt beruflich diese Seite sehr am Herzen].

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Responses

  1. Superpraktisch finde ich [unwillkommene Werbung gelöscht] – schafft einen schnellen und umfassenden Überblick über sämtliche Profile und bringt dadurch Ordnung ins System.

  2. Und ich finde es übersichtlich, dass Blogs die superpraktische Möglichkeit bieten, den eigenen Namen beim Kommentieren zu verlinken. Dann braucht man seine Werbung nicht in den Kommentarteil klatschen und kann sogar inhaltlich Bezug nehmen auf den Blogeintrag. Ein ganz ordentliches System eigentlich.


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