Verfasst von: Medienblogger | 13. Dezember 2009

Das Facebook-Daten-Desaster

In dieser Woche hat Facebook, das größte und erfolgreichste soziale Netzwerk im Internet, seine Einstellungen zur Privatsphäre geändert. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte sich bereits einige Tage zuvor in einem offenen Brief an die inzwischen über 350 Millionen Nutzer gewandt:

We’re adding something that many of you have asked for — the ability to control who sees each individual piece of content you create or upload. In addition, we’ll also be fulfilling a request made by many of you to make the privacy settings page simpler by combining some settings.

Das klang gut, und ich selbst hatte mir schon vielfach gewünscht, ein Status-Update oder ein Foto nicht mit ALLEN Freunden auf Facebook zu teilen, sondern nur mit einigen. Da ich die Listen-Funktion von Facebook ausgiebig nutze und meinen Freundes- und Bekanntenkreis in unterschiedliche Gruppen eingeteilt habe, sah ich mich schon im Privatsphären-Himmel: Einfach und schnell festlegen, wer meine Beiträge lesen kann und darf.

Als die Änderungen dann schließlich umgesetzt wurden, kehrte nicht nur bei mir schnell Ernüchterung ein: Zwar wurde das versprochene Feintuning des Statusupdates eingeführt, gleichzeitig hat Facebook den erreichten Sicherheitsstandard an anderer Stelle zurückgeschraubt:

With these changes, a limited set of basic information that helps your friends find you will be made publicly available. This information is name, profile picture, gender, current city, networks, friend list, and Pages

Mit anderen Worten: Einige Informationen, die ich Facebook anvertraut habe, sind nun öffentlich zugänglich. Beispiel gefällig?

Auf Facebook kann man Fan von Produkten, Internetseiten oder bekannten Persönlichkeiten werden. Diese Informationen, die ich bisher mit meinen Freunden geteilt habe, waren mit den Änderungen, die Facebook durchgeführt hat, nun für jeden einsehbar. Man hat allerdings keine Möglichkeit, die Sichtbarkeit dieser Daten einzuschränken. Die einzige Möglichkeit besteht darin, sich selbst als Fan zu entfernen. Und genau darin besteht nun die Gefahr für Facebook: Denn scheinbar hat man nicht (mehr?) verstanden, dass der User sich nur ungern bevormunden und sich schon gar nichts vorschreiben lässt. Beim deutschen Pendant StudiVZ führten Sicherheitsbedenken der User dazu, dass Millionen von Benutzern ihren Realnamen verfremdeten und damit das Netzwerk damit innerhalb kürzester Zeit unbenutzbar wurde. Facebook könnte ähnliches drohen, wenn die Benutzer den Eindruck gewinnen, dass ihre Daten dort nicht mehr sicher sind.

Facebook versucht zwar, den nun entstandenen Eindruck zu korrigieren. Während die Freundesliste mit der Änderung der Privatsphären-Einstellungen zwangsweise öffentlich wurde, hat man scheinbar schnell auf die Kritik der User reagiert. Nun besteht die Möglichkeit, im eigenen Profil die Freundesliste zu verbergen, um sie vor unerwünschten Besuchern zu verbergen. Problem dabei? Vor der Änderung der Privatsphären-Einstellungen konnte die Sichtbarkeit der Freundesliste sowohl für Freunde als auch für Nicht-Freunde eingestellt werden. Nach der Änderung der Änderung kann diese Information nur noch in Form einer „Alles-oder-Nichts“-Einstellung freigegeben werden. Ergebnis: Verschlimmbesserung pur.

Fazit? Die neuen Einstellungen sind nicht in allen Fällen feinkörniger und damit besser. Einige wichtige Daten, die den Kernbereich der eigenen Online-Identität betreffen, sind nun für Unbefugte zugänglich. Statt einer besseren user experience führt das Daten-Desaster bei Facebook schließlich sogar dazu, dass die Usability – also die Nutzbarkeit – Schaden nimmt.

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Responses

  1. http://privat-notarius.kiev.ua/blog/item/4-greenberg-traurig-seeks-to-affirm-673k-award-in-partner-row.html?locale=de


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